Auszubildende aus Mecklenburg-Vorpommern zeigen, wie Klimaschutz, berufliche Bildung und regionale Entwicklung zusammengehören. Auf der JOBFACTORY 2026 in Rostock stellen sie die Ergebnisse des einjährigen Projekts Land.Leben.Klima. vor.

Klimaschutz gilt vielen als unattraktives und schwieriges Thema. Acht junge Menschen im Projekt Land.Leben.Klima. finden es jedoch wichtig, sich für Klimaschutz, Klimagerechtigkeit und Klimaanpassungsmaßnahmen einzusetzen. Gemeinsam mit ihren Ausbildungsbetrieben zeigen sie, wie sich Klimaschutz ganz praktisch in den Berufsalltag integrieren lässt – mit Ideen, die den Betrieben, den Beschäftigten und der Region zugutekommen.

An dem einjährigen Projekt haben sich Auszubildende aus vier Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern beteiligt: der Tischlerei Granzow in Waren, der Stadtverwaltung Güstrow, dem WasserZweckVerband Malchin-Stavenhagen sowie der Raiffeisenbank Mecklenburgische Seenplatte. Seit September 2025 entwickelten die jungen Erwachsenen eigene Projekte zu Klimaschutz und Klimaanpassung und setzen diese in ihren Ausbildungsbetrieben um. Die Ergebnisse präsentieren sie nun auf der Ausbildungsmesse JOBFACTORY in Rostock. Besucherinnen und Besucher erhalten dort Einblicke in die Projekte und können direkt mit den Auszubildenden ins Gespräch kommen.

Ein grüner Pausenplatz, der die Belegschaft zusammenbringt

In der Tischlerei Granzow aus Waren etwa entstand ein neuer Pausenplatz für die Belegschaft – gebaut aus Restholz und ergänzt durch Begrünung sowie Nistkästen. Das Projekt verbindet Ressourcenschonung mit einem besseren Miteinander im Betrieb. Amy-Marie Störr, während der Projektlaufzeit im dritten Lehrjahr und seit kurzem frisch gebackene Tischler-Gesellin, beschreibt den Mehrwert so: „Tomatenranken, Nistkästen und Restholzverwertung sind die eine Sache, die andere ist, dass so ein Projekt die hier arbeitenden Menschen zusammenbringt. Gut so.“ Auch der Ausbildungsverantwortliche der Tischlerei Detlef Türmer findet es wichtig, interessierte und motivierte Jugendliche direkt zu unterstützen. „Wenn eine gewisse Portion an Eigeninteresse da ist, können wir mit Klima-Projekten Herzen öffnen und zeigen, wie sehr es Spaß machen kann, Gesellschaft mitzugestalten“, so Türmer.

Ein Klima- und Umweltpfad rund um die Güstrower Innenstadt

Durch Azubis der Stadtverwaltung Güstrow wiederum entstand die Idee für einen Klima- und Umweltpfad rund um die Innenstadt. Mit Informationstafeln, QR-Codes und interaktiven Elementen möchten die Auszubildenden Paul-Erik Finck und Manuel Albrecht,  beide nun im zweiten Ausbildungsjahr für Verwaltungsfachangestellte zeigen, welche nachhaltigen Entwicklungen es bereits in ihrer Stadt gibt und welche weiteren Möglichkeiten für die Zukunft bestehen. Mit einer Präsentation hatten die beiden Azubis die Amtsleitungen von ihrer Idee überzeugt. Nun wird diese mit  viel Engagement Schritt für Schritt umgesetzt. Geplant sind unter anderem Bänke, QR-Codes sowie Informationsangebote inklusive Tipps und Bilder, die während des Spaziergangs zum Nachdenken anregen. „Das Vorhaben wird immer größer“, berichtet Paul-Erik Finck. „Ich habe großen Respekt davor, will aber auch zeigen, was im Thema und in mir selbst steckt.“ Professionell unterstützt und begleitet wird das Vorhaben von Ausbildungsbetreuer Kenny Böttcher und der Sachbearbeiterin in der Stadtplanung Barbara Mahnke.

Nachhaltigkeit in der Trinkwasserversorgung sichtbar machen

Für ein Versorgungsunternehmen wie den WasserZweckverband Malchin-Stavenhagen ist es extrem wichtig, lückenlos und gut ausgebildete Menschen beschäftigen zu können. Marwin Stüwe hat vor seiner Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik mehrere Schülerpraktika absolviert. Das Betriebsklima, die Tätigkeiten und die Zukunftsaussichten stimmen für ihn. David Schacht, Geschäftsführer spricht es aus: „Wir wollen Marwin aufbauen. Hier in der Region versuchen unsere Unternehmensentwicklung transparent zu machen. Das Projekt Land.Leben.Klima ist ein wichtiger Baustein dazu.“ Der WZV Malchin-Stavenhagen steht für Nachhaltigkeit im ganzen System – Trinkwasser braucht Landschaftsschutz und funktioniert nur mit erneuerbaren Energien, ökologischen und sozialen Strukturen.

Grüne Finanzen als Hebel für Klimaschutz

Last but not least gibt es das Team der Raiffeisenbank Mecklenburgische Seenplatte eG Jamie Maischak und Ana Isabel Patricio (Bankkauffrau 3. und 2. Ausbildungsjahr) haben sich viel vorgenommen. Neben einem Handlungsleitfaden entsteht eine Instagram-Reihe, die sich mit Klimaschutz befasst. Drei thematisch strukturierte Workshops sollen in den umliegenden Schulen stattfinden, auch um sich als möglicher Ausbildungsort Raiffeisenbank bekannt zu machen.

Ana findet: „Viele können sich nicht vorstellen, was Banken mit Nachhaltigkeit zu tun haben. Wir finden aber, dass gerade beim Geld Klimaschutz beachtet werden sollte.“

Projekt sucht Interessierte für eine Verstetigung

Insgesamt investierten die Auszubildenden über mehrere Monate hinweg durchschnittlich drei Stunden pro Woche in ihre Projekte und arbeiteten in vier gemeinsamen Werkstätten an deren Weiterentwicklung. Für Robert Hantsch von der Universität Rostock, der das Projekt im Projektbeirat begleitet hat, zeigt sich, welchen Wert gemeinsames Lernen und eigenverantwortliches Arbeiten haben: „Für mich ist schön zu sehen, dass die Arbeit in Teams der richtige Ansatz war. Kooperation, gegenseitige Unterstützung und vielfältige Ideen sind dadurch in den Betrieben entstanden.“

Umgesetzt und begleitet wird das Projekt Land.Leben.Klima. von der Über.Morgen gGmbH. Die Präsentation  der Ergebnisse auf der JOBFACTORY bildet den Abschluss der ersten Projektphase des Projektes, das 2025 und 2026 im Rahmen des Landesprogramms MV tut was. stattfindet. Für die nächste Projektrunde möchte das Projektteam das Projekt auch ohne eine Finanzierung durch das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern fortführen und weiteren Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern anbieten. „Unternehmen, die aktiv für Klimaschutz und Nachhaltigkeit eintreten und sich darum kümmern, dass es auch in weiter Zukunft lebenswert in Mecklenburg-Vorpommern bleibt, sind herzlich willkommen“, lädt Ulrike Gisbier, Geschäftsführerin der Über.Morgen gGmbH und Projektleiterin des Projekts, interessierte Betriebe zur Teilnahme ein.

Hintergrund

Das Projekt Land.Leben.Klima. ist Teil des Landesprogramms MV tut was. Klimaschutz vor Ort. Es unterstützt Auszubildende im ländlichen Raum Mecklenburg-Vorpommerns dabei, eigene Klima- und Zukunftsprojekte in ihren Ausbildungsbetrieben zu entwickeln und umzusetzen. Ziel ist es, Klimaschutz als Chance für berufliche Entwicklung, regionale Wertschöpfung und gesellschaftliche Mitgestaltung erlebbar zu machen. Die beteiligten Unternehmen stellen ihren Auszubildenden dafür Zeit und Raum zur Verfügung, um eigene Ideen zu entwickeln und Verantwortung zu übernehmen. Das Programm wird durch das Land Mecklenburg-Vorpommern ermöglicht und gemeinsam mit regionalen Partnern umgesetzt.

Mehr Informationen zum Projekt Land.Leben.Klima.
www.zukunftshandeln-mv.de/landlebenklima

Mehr Informationen zum Landesprogramm MV tut was.
www.zukunftshandeln-mv.de/mv-tut-was

Kontakt

Ulrike Gisbier
Projektkoordination Land.Leben.Klima.
Über.Morgen gGmbH
Tel. 0160 – 96785534
landlebenklima@uebermorgen.info